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Magazin · Apotheke als Gesundheitsstandort

Das Apothekenteam einbinden: PTA und PKA bei Diagnostikleistungen

Zuletzt aktualisiert: 05.07.2026

Ein Diagnostikangebot in der Apotheke steht und fällt mit dem Team. Wer welche Aufgabe übernimmt, ist zum Teil rechtlich vorgegeben und zum Teil eine Frage guter Organisation. Dieser Leitfaden ordnet die Rollen und zeigt, wie Sie Ihr Team mitnehmen.

Wer im Apothekenteam darf welche Diagnostikaufgabe übernehmen?

Die venöse Blutentnahme ist nach dem ApoVWG approbierten Apotheker:innen nach ärztlicher Schulung vorbehalten. PTA sind dafür nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Kapillare Messungen, Beratung, Terminorganisation, Dokumentation und Probenlogistik lassen sich dagegen über das gesamte Team verteilen, jeweils passend zur Qualifikation der Kolleginnen und Kollegen.

Die klare Trennlinie verläuft bei der venösen Entnahme. Alles davor und danach ist Teamarbeit: Aufklärung und Terminvergabe, Vorbereitung des Arbeitsplatzes, kapillare Selbstabnahme-Systeme, das Versandhandling ins Labor und das strukturierte Ergebnisgespräch im vorgegebenen Rahmen. So bleibt die knappe approbierte Arbeitszeit für den regulierten Kern reserviert, während das restliche Team den Ablauf trägt.

Dürfen PTA venöses Blut abnehmen?

Nach aktuellem Stand nein. Das ApoVWG erlaubt die venöse Blutentnahme approbierten Apotheker:innen nach einer ärztlichen Schulung. PTA sind darin nicht vorgesehen. PTA können jedoch kapillare Messsysteme betreuen, beraten und den gesamten organisatorischen Ablauf rund um die Diagnostik verantwortlich mittragen, von der Vorbereitung bis zur Dokumentation.

Das Mustercurriculum für die venöse Blutentnahme wird von der Bundesapothekerkammer gemeinsam mit der Bundesärztekammer erarbeitet und soll spätestens bis zum 02.11.2026 vorliegen. Es richtet sich an approbierte Apotheker:innen. Für PTA bleibt der aktuelle Rechtsstand maßgeblich, solange keine anderslautende Regelung getroffen wird. Prüfen Sie den Stand bei Ihrer Landesapothekerkammer, bevor Sie Aufgaben fest zuweisen.

Wie verteile ich die Rollen im Team sinnvoll?

Ordnen Sie jede Aufgabe der Qualifikation zu, die sie erfordert, und delegieren Sie den Rest bewusst. Approbierte übernehmen die venöse Entnahme und die fachliche Verantwortung. PTA tragen Beratung, kapillare Messung und Ablauf. PKA halten Terminorganisation, Material und Dokumentation zusammen. Klare Zuständigkeiten verhindern Reibung im Tagesgeschäft.

rolleaufgabevoraussetzung
Approbierte:r Apotheker:inVenöse Blutentnahme nach Schulung, fachliche AufsichtApprobation + ärztliche Schulung
PTABeratung, kapillare Messung, Ergebnisgespräch im RahmenPTA-Qualifikation, interne Einweisung
PKATerminvergabe, Materialbestellung, DokumentationInterne Einweisung, keine Analytik
Gesamtes TeamProbenlogistik, Hygiene, KundenanspracheStandardarbeitsanweisung (SOP)

Wie bereite ich mein Team auf Diagnostikleistungen vor?

Beginnen Sie mit einer klaren Standardarbeitsanweisung, die jeden Schritt und jede Zuständigkeit festlegt. Schulen Sie das Team an den Systemen, die es betreut, üben Sie den Ablauf einmal komplett durch und definieren Sie, wann an eine Ärztin oder einen Arzt verwiesen wird. Beziehen Sie das Team früh ein.

Nach Inkrafttreten des ApoVWG am 02.07.2026 gelten Fristen: Standardarbeitsanweisungen sind binnen zwei Monaten zu erstellen, das Mustercurriculum soll binnen vier Monaten vorliegen. Nutzen Sie diese Struktur als Fahrplan. Legen Sie fest, wer die SOP pflegt, wer neue Kolleg:innen einarbeitet und wie Rückfragen dokumentiert werden. Eine gute SOP ist das Rückgrat einer verlässlichen Teameinbindung.

Wie motiviere ich PTA und PKA für die neuen Aufgaben?

Machen Sie den Sinn sichtbar und geben Sie Verantwortung ab. Diagnostikleistungen erweitern das fachliche Profil, schaffen Abwechslung und stärken die Kundenbindung. Wer eine klar umrissene Rolle mit eigener Zuständigkeit erhält, engagiert sich stärker. Anerkennung, kurze Feedbackrunden und die Chance, sich fortzubilden, tragen mehr als Druck.

  1. 01Rollen offen besprechen: Wer möchte welchen Teil übernehmen und warum.
  2. 02Jede Zuständigkeit schriftlich festhalten, damit Verantwortung greifbar wird.
  3. 03Gemeinsam einen kompletten Testdurchlauf üben, bevor der erste Kunde kommt.
  4. 04Fortbildung ermöglichen und intern weitergeben, was gelernt wurde.
  5. 05Erfolge sichtbar machen und regelmäßig kurzes Feedback einholen.

Welche Grenzen muss das Team bei der Ergebniskommunikation beachten?

Ein einzelner Blutwert ist keine Diagnose. Das Team ordnet Werte anhand orientierender Richtwerte ein, die laborabhängig sind, und verweist bei auffälligen oder unklaren Ergebnissen an die ärztliche Abklärung. Heilversprechen sind unzulässig. Diese Grenze gilt für alle Teammitglieder unabhängig von der Qualifikation.

Das Heilmittelwerbegesetz setzt enge Grenzen für Aussagen zu Wirkung und Behandlung. Formulieren Sie im Team einheitlich: Einordnung statt Diagnose, Hinweis auf den ärztlichen Kontext, keine Therapieversprechen. Eine gemeinsame Sprachregelung, festgehalten in der SOP, schützt sowohl die Kundschaft als auch die Apotheke und sorgt dafür, dass alle im Team konsistent kommunizieren.

Begriffe kurz erklärt

ApoVWG
Das Apotheken-Reformgesetz, seit dem 02.07.2026 in Kraft, das unter anderem die venöse Blutentnahme durch geschulte approbierte Apotheker:innen regelt.
PTA
Pharmazeutisch-technische:r Assistent:in, im Team für Beratung, kapillare Messung und Ablauf einsetzbar, nach aktuellem Stand jedoch nicht für die venöse Blutentnahme.
PKA
Pharmazeutisch-kaufmännische:r Angestellte:r, zuständig für organisatorische Aufgaben wie Terminvergabe, Material und Dokumentation.
Standardarbeitsanweisung (SOP)
Schriftlich festgelegter Standardablauf, der jeden Arbeitsschritt und jede Zuständigkeit einheitlich regelt.
Mustercurriculum
Von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer erarbeitete Schulungsvorlage für die venöse Blutentnahme, deren Vorlage bis spätestens 02.11.2026 vorgesehen ist.

Häufige Fragen

Darf eine PTA das Ergebnisgespräch zu Blutwerten führen?

Ja, im beratenden Rahmen und ohne Diagnosestellung. PTA können Werte anhand orientierender Richtwerte einordnen und auf den ärztlichen Kontext verweisen. Die fachliche Verantwortung liegt bei der Apothekenleitung. Bei auffälligen oder unklaren Befunden ist konsequent an eine ärztliche Abklärung zu verweisen.

Braucht das gesamte Team eine Schulung für Diagnostikleistungen?

Für die venöse Blutentnahme ist die ärztliche Schulung nur für approbierte Apotheker:innen relevant. Das übrige Team benötigt eine interne Einweisung in die Standardarbeitsanweisung, die eingesetzten Systeme und die Kommunikationsregeln. So arbeiten alle nach demselben, dokumentierten Ablauf und die Verantwortlichkeiten bleiben klar.

Können PKA bei Diagnostikleistungen mitarbeiten?

Ja, im organisatorischen Bereich. PKA übernehmen sinnvoll Terminvergabe, Materialbestellung, Dokumentation und Teile der Kundenansprache. Analytische oder beratende Aufgaben zu Blutwerten gehören nicht in ihren Bereich. Eine klare Trennung entlastet das Fachpersonal und macht den Ablauf für die Kundschaft reibungslos.

Ab wann müssen Standardarbeitsanweisungen vorliegen?

Das ApoVWG ist seit dem 02.07.2026 in Kraft. Standardarbeitsanweisungen sind binnen zwei Monaten ab Inkrafttreten zu erstellen. Nutzen Sie diese Frist, um Rollen, Abläufe und Kommunikationsregeln schriftlich festzuhalten, bevor Sie das Angebot starten. Den verbindlichen Stand klären Sie mit Ihrer Landesapothekerkammer.

Wie gehe ich mit Unsicherheit im Team gegenüber neuen Aufgaben um?

Nehmen Sie Bedenken ernst und beginnen Sie mit klaren, überschaubaren Zuständigkeiten. Ein gemeinsamer Testdurchlauf vor dem ersten Kundentermin baut Sicherheit auf. Fortbildung, kurze Feedbackrunden und sichtbare Erfolge stärken das Vertrauen. Verantwortung, die zur Qualifikation passt, motiviert mehr als Überforderung.

Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.

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