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Ratgeber · Apothekenreform (ApoVWG)

Die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) im Überblick

In Kraft seit 02.07.2026Zuletzt aktualisiert: 17.07.2026

Nach dem ApoVWG gibt es insgesamt zehn pharmazeutische Dienstleistungen: fünf bestehende mit festen Nettopreisen aus dem Schiedsspruch 2022 und fünf neue. Acht davon benötigen keine ärztliche Verordnung, zwei schon. Die Vergütung der neuen pDL wird derzeit verhandelt. Dieser Überblick fasst den aktuellen Stand zusammen.

Welche pharmazeutischen Dienstleistungen gibt es?

Es gibt zehn pDL: fünf bestehende (erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation, Betreuung bei Organtransplantation, Betreuung bei oraler Antitumortherapie, Einweisung Inhalationstechnik, Risikoerfassung hoher Blutdruck) und fünf neue rund um Herz-Kreislauf und Diabetes, Tabakprävention, zwei Medikationsmanagement-Leistungen und Injektionstechnik.

  1. 01Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation (bestehend, 90,00 EUR netto)
  2. 02Pharmazeutische Betreuung von Organtransplantierten (bestehend, 90,00 EUR netto plus 17,55 EUR Folgegespräch)
  3. 03Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie (bestehend, 90,00 EUR netto plus 17,55 EUR Folgegespräch)
  4. 04Erweiterte Einweisung mit Üben der Inhalationstechnik (bestehend, 20,00 EUR netto)
  5. 05Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck (bestehend, 11,20 EUR netto)
  6. 06Beratung mit risikoadaptierten Messungen zu Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Diabetes (neu, Vergütung in Verhandlung)
  7. 07Beratung als Kurzintervention zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen (neu, Vergütung in Verhandlung)
  8. 08Pharmazeutisches Medikationsmanagement bei komplexer Dauermedikation (neu, verordnungspflichtig, Vergütung in Verhandlung)
  9. 09Pharmazeutisches Medikationsmanagement bei neu verordneter Dauermedikation (neu, verordnungspflichtig, Vergütung in Verhandlung)
  10. 10Erweiterte Einweisung mit Üben der Injektionstechnik (neu, Vergütung in Verhandlung)

Die fünf bestehenden pDL laufen seit dem Schiedsspruch 2022 mit festen Nettopreisen. Die fünf neuen kommen mit dem ApoVWG hinzu; ihre Themen sind gesichert, die genauen Bezeichnungen und Preise aber noch nicht final. Deshalb führen wir sie als Themenfelder und nicht als fixen Katalog. Zwei der neuen Leistungen, beide zum Medikationsmanagement, benötigen eine ärztliche Verordnung.

Welche pDL brauchen eine ärztliche Verordnung?

Von den zehn pDL benötigen nur die beiden neuen Medikationsmanagement-Leistungen eine ärztliche Verordnung: das Management bei komplexer Dauermedikation und das bei neu verordneter Dauermedikation. Die übrigen acht pDL sind ohne Verordnung zugänglich, in der Regel mit Anspruch mindestens einmal in zwölf Monaten.

pDLVerordnung nötigStatus
Herz-Kreislauf- und Diabetes-Beratung mit Messungenneinneu, in Verhandlung
Kurzintervention Tabakpräventionneinneu, in Verhandlung
Medikationsmanagement komplexe Dauermedikationjaneu, in Verhandlung
Medikationsmanagement neu verordnete Dauermedikationjaneu, in Verhandlung
Einweisung Injektionstechnikneinneu, in Verhandlung

Diese Aufteilung ist wichtig für die Praxis. Acht Leistungen können Sie direkt anbieten, ohne dass die Patientin oder der Patient zuerst zur Ärztin oder zum Arzt muss. Nur die zwei Medikationsmanagement-pDL setzen eine Verordnung voraus. Das senkt die Zugangshürde für die messnahen Angebote wie die Herz-Kreislauf- und Diabetes-Beratung deutlich.

Wie werden die pDL vergütet und was ist mit dem pDL-Topf?

Die fünf bestehenden pDL haben feste Nettopreise ab 11,20 EUR (Risikoerfassung Blutdruck) bis 90,00 EUR (Medikationsberatung). Die Vergütung der fünf neuen pDL wird derzeit verhandelt (DAV mit GKV-Spitzenverband). Der weitgehend unabgerufene pDL-Topf umfasste rund 537 Mio. EUR (Stand März 2026).

Ein großer Teil des pDL-Budgets blieb bislang ungenutzt. Rund 537 Mio. EUR waren nach dem Stand März 2026 nicht abgerufen. Die Reform stellt auf eine Direktabrechnung um, was den Zugang erleichtern soll. Für die neuen pDL existiert noch kein fester Eurobetrag; die Preise verhandeln der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband im Benehmen mit der PKV. Wir tragen die Beträge nach, sobald sie feststehen.

Wie hängen die neuen pDL mit der Blutabnahme in der Apotheke zusammen?

Die neue pDL zur Beratung mit risikoadaptierten Messungen bei Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Diabetes ist bewusst messnah angelegt. Genau hier setzt eine strukturierte Blutdiagnostik an: Die Messung liefert die Datengrundlage, die Beratung ordnet sie ein. Beide Bausteine verstärken sich, bleiben aber rechtlich und abrechnungstechnisch getrennt.

Wichtig ist die saubere Trennung: Die pDL ist eine über den pDL-Topf vergütete Beratungsleistung, ein Bluttest als Selbstzahler- oder IGeL-Leistung ist davon getrennt zu betrachten. Operativ lassen sich beide zu einem Vorsorge-Touchpoint bündeln, kaufmännisch und rechtlich sind es zwei getrennte Erlösquellen. Diese Trennung sollten Sie in Dokumentation und Abrechnung konsequent abbilden.

Begriffe kurz erklärt

pDL
Pharmazeutische Dienstleistung: vergütete Beratungs- oder Messleistung der Apotheke.
Schiedsspruch 2022
Festlegung der Nettopreise der fünf bestehenden pDL im Jahr 2022.
pDL-Topf
Budget zur Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen; ca. 537 Mio. EUR waren Stand März 2026 unabgerufen.
DAV
Deutscher Apothekerverband; verhandelt die pDL-Vergütung mit dem GKV-Spitzenverband.
GKV-Spitzenverband
Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung; Verhandlungspartner für die pDL-Vergütung.

Häufige Fragen

Kann ich die Herz-Kreislauf-pDL mit einem Bluttest kombinieren?

Operativ ja, kaufmännisch getrennt. Die Beratung mit risikoadaptierten Messungen ist eine über den pDL-Topf vergütete Leistung; ein weitergehender Bluttest ist eine eigene Selbstzahler- oder IGeL-Leistung. Beide lassen sich zu einem Vorsorgetermin bündeln, sollten in Dokumentation und Abrechnung aber sauber getrennt bleiben.

Wie viele pharmazeutische Dienstleistungen gibt es aktuell?

Nach dem ApoVWG sind es insgesamt zehn: fünf bestehende mit festen Nettopreisen aus dem Schiedsspruch 2022 und fünf neue. Eine frühere Zahl von neun pDL stammte aus einem Referentenentwurf und ist überholt. Acht der zehn Leistungen sind ohne ärztliche Verordnung zugänglich.

Was kostet eine pharmazeutische Dienstleistung?

Die bestehenden pDL haben feste Nettopreise, etwa 11,20 EUR für die Risikoerfassung hoher Blutdruck und 90,00 EUR für die erweiterte Medikationsberatung. Für die fünf neuen pDL steht noch kein fester Preis fest; die Vergütung wird derzeit zwischen DAV und GKV-Spitzenverband verhandelt (Stand 17.07.2026).

Welche pDL benötigen keine Verordnung?

Acht der zehn pDL sind ohne ärztliche Verordnung zugänglich, in der Regel mit Anspruch mindestens einmal in zwölf Monaten. Nur die beiden neuen Medikationsmanagement-Leistungen (komplexe und neu verordnete Dauermedikation) setzen eine ärztliche Verordnung voraus.

Was ist der pDL-Topf?

Der pDL-Topf ist das Budget zur Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen. Ein großer Teil blieb bislang ungenutzt: rund 537 Mio. EUR waren nach dem Stand März 2026 nicht abgerufen. Die Reform stellt auf eine Direktabrechnung um, um den Zugang zu diesen Mitteln zu erleichtern.

Sind die neuen pDL schon abrechenbar?

Die Themenfelder stehen, feste Preise und die genauen Bezeichnungen der fünf neuen pDL aber noch nicht. Solange die Vergütung zwischen DAV und GKV-Spitzenverband verhandelt wird, gibt es keinen abrechenbaren Eurobetrag. Wir aktualisieren diese Seite, sobald die Verhandlung abgeschlossen ist.

Quellen

Stand: 17.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Bitte vor dem Start mit Ihrer Apothekerkammer und Ihrer Betriebshaftpflicht abstimmen.

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