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Magazin · Diagnostik in der Apotheke

Präanalytik: Die häufigsten Fehler vor der Analyse vermeiden

Zuletzt aktualisiert: 05.07.2026

Ein Blutwert ist nur so gut wie die Probe, aus der er stammt. Die Präanalytik, also alles zwischen Blutentnahme und Messung im Labor, entscheidet häufig darüber, ob ein Ergebnis verwertbar ist oder wiederholt werden muss.

Was bedeutet Präanalytik genau?

Präanalytik umfasst alle Schritte vor der eigentlichen Laboranalyse: Vorbereitung des Patienten, Blutentnahme, Probenhandling, Lagerung und Transport. Fehler in dieser Phase lassen sich später im Labor oft nicht mehr korrigieren und können Messwerte verfälschen, ohne dass dies dem Ergebnis direkt anzusehen ist.

In der Labormedizin gilt die Präanalytik allgemein als die fehleranfälligste Phase der gesamten Untersuchung, deutlich vor der eigentlichen Analysetechnik im Labor. Für Apothekenteams, die venöse oder kapillare Proben entgegennehmen oder selbst gewinnen, ist die Präanalytik deshalb der Bereich mit dem größten Einfluss auf die Ergebnisqualität. Diese Einschätzung ersetzt keine Diagnose und ein einzelner Laborwert ist immer im Zusammenhang mit weiteren Befunden und ärztlicher Einordnung zu betrachten.

Welche Fehler passieren am häufigsten bei der Blutentnahme?

Die häufigsten präanalytischen Fehler sind eine zu lange Stauzeit, Hämolyse durch unsachgemäße Handhabung, eine falsche Reihenfolge der Abnahmeröhrchen und ein nicht ausreichend gemischtes Probenmaterial. Alle vier können Werte messbar verändern, ohne dass die Probe äußerlich auffällig wirkt.

fehlerauswirkungvermeidung
Zu lange StauzeitVerfälschte Werte bei Elektrolyten und ProteinenStauung auf unter eine Minute begrenzen
HämolyseErhöhte Werte z.B. bei Kalium, verfälschte ZellparameterRuhiger Blutfluss, keine zu dünne Kanüle, kein starkes Schütteln
Falsche RöhrchenreihenfolgeKontamination mit Zusätzen aus anderen RöhrchenStandardisierte Abnahmereihenfolge einhalten
Unzureichendes MischenMikrogerinnsel, ungültige Gerinnungs- oder BlutbildwerteRöhrchen nach Herstellerangabe schwenken, nicht schütteln

Warum spielt die Lagerung nach der Entnahme eine so große Rolle?

Nach der Entnahme verändern sich manche Parameter mit der Zeit und Temperatur weiter, etwa durch fortlaufenden Zellstoffwechsel in der Probe. Falsche Lagerung, zu warme Umgebung oder verzögerter Transport ins Labor können deshalb auch bei korrekter Entnahme noch zu abweichenden Ergebnissen führen.

Für manche Analyten gilt eine enge Zeitvorgabe bis zur Weiterverarbeitung, etwa bei der Bestimmung von Glukose oder bestimmten Hormonen. Kühlkette und Transportzeit sind daher keine reine Formalie, sondern Teil der Qualitätssicherung. Wer Proben für den Versand an ein Labor vorbereitet, sollte sich strikt an die Vorgaben des jeweiligen Labors zu Temperatur und maximaler Transportdauer halten.

Wie können Apothekenteams präanalytische Fehler im Alltag reduzieren?

Standardisierte Abläufe, geschultes Personal und klare Checklisten senken das Fehlerrisiko deutlich. Dazu gehören einheitliche Vorbereitung der Kundinnen und Kunden, korrekte Kennzeichnung der Proben, dokumentierte Entnahmezeiten und ein fester Ablaufplan für Lagerung und Versand.

  1. 01Vorbereitung prüfen: Nüchternstatus, Medikamenteneinnahme und Tageszeit dokumentieren, sofern relevant
  2. 02Entnahmematerial vor Beginn vollständig bereitlegen, um Zeitverzug zu vermeiden
  3. 03Röhrchen sofort nach Entnahme korrekt beschriften, nicht erst später
  4. 04Herstellervorgaben zu Mischen, Lagerung und Kühlkette konsequent einhalten
  5. 05Transport zeitnah organisieren und Übergabezeiten an das Labor dokumentieren
  6. 06Regelmäßige Schulung des Teams zu aktuellen Präanalytik-Standards

Gilt Präanalytik auch für kapillare Schnelltests?

Ja, auch bei kapillarer Blutentnahme, etwa mit etablierten Systemen zur Selbstabnahme, gelten präanalytische Grundregeln wie ausreichende Durchblutung der Einstichstelle, korrekte Tropfengröße und sachgerechte Lagerung der Probe. Kapillare Verfahren sind heute im Rahmen etablierter Angebote bereits möglich und ersetzen nicht automatisch die venöse Entnahme.

Für einzelne Analyten kann kapillares Material ausreichen, für andere ist venöses Blut weiterhin der Standard. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem gewünschten Parameter und den Vorgaben des durchführenden Labors.

Begriffe kurz erklärt

Präanalytik
Alle Arbeitsschritte von der Vorbereitung über die Blutentnahme bis zum Eintreffen der Probe im Labor, vor der eigentlichen Analyse.
Hämolyse
Zerstörung roter Blutkörperchen, meist durch unsachgemäße Entnahme oder Handhabung, die bestimmte Laborwerte verfälschen kann.
Stauzeit
Die Dauer, während der ein Stauband bei der venösen Blutentnahme angelegt bleibt, bevor Blut entnommen wird.
Kühlkette
Durchgängige Einhaltung einer vorgegebenen Temperatur vom Zeitpunkt der Entnahme bis zur Analyse im Labor.
Kapillare Blutentnahme
Gewinnung kleiner Blutmengen aus oberflächlichen Gefäßen, etwa an der Fingerbeere, im Gegensatz zur venösen Entnahme.

Häufige Fragen

Kann ein präanalytischer Fehler zu einem falschen Befund führen, ohne dass es auffällt?

Ja. Eine hämolytische oder falsch gelagerte Probe kann Werte verschieben, ohne dass Labor oder Praxis dies ohne Zusatzhinweise erkennen. Deshalb sind standardisierte Abläufe bei Entnahme, Kennzeichnung und Transport so wichtig für verlässliche Ergebnisse. Ein einzelner Blutwert ist zudem keine Diagnose, sondern stets im Zusammenhang mit weiteren Befunden und ärztlicher Einordnung zu betrachten.

Wer darf in Apotheken künftig venöses Blut abnehmen?

Nach dem seit 02.07.2026 geltenden ApoVWG dürfen approbierte Apothekerinnen und Apotheker nach ärztlicher Schulung venöse Blutentnahmen durchführen. Das zugehörige Mustercurriculum von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer muss spätestens bis 02.11.2026 vorliegen. Für PTA ist dies nach aktuellem Stand nicht vorgesehen.

Wie lange darf eine Blutprobe maximal gelagert werden?

Das hängt vom jeweiligen Parameter und den Vorgaben des durchführenden Labors ab. Manche Werte müssen zeitnah weiterverarbeitet werden, andere sind stabiler. Verbindlich sind stets die konkreten Transport- und Lagerhinweise des Labors, mit dem zusammengearbeitet wird.

Warum wird bei manchen Blutabnahmen die Reihenfolge der Röhrchen vorgegeben?

Weil Zusatzstoffe aus einem Röhrchen über die Nadel in das nächste gelangen können. Eine standardisierte Reihenfolge verhindert solche Kreuzkontaminationen und sichert damit die Verlässlichkeit nachfolgender Analysen.

Betrifft Präanalytik nur die Blutentnahme selbst?

Nein. Präanalytik beginnt bereits bei der Vorbereitung, etwa Nüchternstatus oder Tageszeit, und endet erst mit der Übergabe der Probe an das analysierende Labor. Jede Zwischenstation kann die Ergebnisqualität beeinflussen.

Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.