Magazin · Diagnostik in der Apotheke
Tasso+ Blutentnahme: So funktioniert die kapillare Selbstabnahme in der Apotheke
Die kapillare Selbstabnahme mit dem Tasso+ ist ein niedrigschwelliger Weg, um eine Blutprobe zu gewinnen, ohne venöse Punktion. Dieser Beitrag erklärt Apothekenteams, wie das Gerät arbeitet und wo es in der Offizin sinnvoll eingesetzt wird.
Wie funktioniert die Tasso+ Blutentnahme?
Der Tasso+ ist ein kleines Einweggerät, das an den Oberarm gesetzt wird und über ein Vakuumprinzip mit einer feinen Lanzette Kapillarblut aus den oberflächlichen Gefäßen zieht. Das Blut fließt in ein angeschlossenes Röhrchen. Die Anwendung ist nahezu schmerzfrei und kommt ohne venöse Punktion aus.
Die Person setzt das Gerät nach dem Erwärmen der Haut auf den Oberarm, löst die Auslösung aus und wartet, bis das Röhrchen gefüllt ist. Anschließend wird das Röhrchen verschlossen und für den Versand ins Labor vorbereitet. Weil keine Vene getroffen werden muss, ist das Verfahren auch für Menschen geeignet, die eine klassische Blutabnahme scheuen.
Darf die Apotheke die kapillare Selbstabnahme heute schon anbieten?
Ja. Die kapillare Messung, etwa mit Tasso+, ist bereits heute im Rahmen etablierter Angebote möglich und setzt keine venöse Schulung voraus. Sie fällt nicht unter die neue Regelung des ApoVWG zur venösen Blutentnahme. Für die Selbstabnahme führt die Kundin oder der Kunde die Probengewinnung selbst durch.
Das ApoVWG (Apotheken-Reformgesetz), seit dem 02.07.2026 in Kraft, regelt vor allem die neue Möglichkeit der venösen Blutentnahme durch approbierte Apotheker:innen nach ärztlicher Schulung. Die kapillare Selbstabnahme ist davon zu trennen: Sie war schon vorher möglich und bleibt niedrigschwellig, weil die Probengewinnung durch die Kundin oder den Kunden selbst erfolgt und das Team lediglich anleitet und die Logistik übernimmt.
Was ist der Unterschied zwischen Kapillarblut und venösem Blut?
Kapillarblut stammt aus den feinen Gefäßen unter der Haut und wird mit einem kleinen Stich oder einem Gerät wie Tasso+ gewonnen. Venöses Blut wird mit einer Nadel aus einer Vene entnommen. Beide liefern für viele Parameter vergleichbare Ergebnisse, doch nicht jeder Laborwert ist aus Kapillarblut gleichermaßen bestimmbar.
| merkmal | kapillar | venoes |
|---|---|---|
| Gewinnung | Kleiner Stich oder Gerät (z.B. Tasso+) | Nadel in eine Vene |
| Wer führt aus | Selbstabnahme durch Kund:in möglich | Approbierte:r Apotheker:in nach Schulung |
| Probenmenge | Kleines Volumen | Größeres Volumen |
| Anwendbarkeit | Für viele Routineparameter | Für nahezu alle Parameter |
Für die Praxis in der Apotheke gilt: Welche Parameter aus Kapillarblut valide messbar sind, hängt vom Analyten, vom Röhrchentyp und von den Vorgaben des Labors ab. Klären Sie das jeweilige Panel immer mit Ihrem Partnerlabor ab. Die folgende Übersicht ordnet die beiden Wege grob ein.
Warum ist die Selbstabnahme für die Offizin niedrigschwellig?
Weil die Probengewinnung durch die Kundin oder den Kunden selbst erfolgt, braucht das Team keine venöse Schulung. Der Ablauf lässt sich mit wenig Aufwand in den Offizinbetrieb einbinden: Beratung, Ausgabe des Geräts, Anleitung und Vorbereitung des Probenversands ins Labor. Das senkt die Einstiegshürde für ein Diagnostikangebot deutlich.
Der niedrigschwellige Charakter macht die kapillare Selbstabnahme zu einem sinnvollen Einstieg, bevor eine Apotheke die venöse Entnahme aufbaut. Wichtig bleibt: Die Aussagekraft steht und fällt mit der sauberen Probengewinnung und der schnellen, stabilen Weiterleitung ins Labor. Fehler in dieser präanalytischen Phase können Ergebnisse verfälschen, unabhängig davon, wie gut das Labor selbst arbeitet.
Wie läuft die kapillare Selbstabnahme Schritt für Schritt ab?
Der Ablauf ist einfach und lässt sich in wenigen Minuten durchführen. Nach kurzer Beratung leitet das Team die Kundin oder den Kunden an, das Gerät korrekt anzuwenden. Anschließend wird die Probe verschlossen, beschriftet und für den Versand ins Labor vorbereitet. Das Ergebnis kommt später vom Labor zurück.
- 01Beratung: Anliegen klären und geeignetes Panel mit dem Partnerlabor abgestimmt auswählen.
- 02Vorbereitung: Hände waschen, Haut am Oberarm erwärmen, damit die Durchblutung steigt.
- 03Anwendung: Tasso+ auf den Oberarm setzen und auslösen, bis das Röhrchen gefüllt ist.
- 04Sicherung: Röhrchen verschließen, korrekt beschriften und gemäß Laborvorgabe stabilisieren.
- 05Versand: Probe zügig und stabil an das Labor weiterleiten (Präanalytik beachten).
- 06Rückmeldung: Ergebnis kommt vom Labor; Einordnung erfolgt im ärztlichen Kontext.
Was bedeutet ein Blutwert aus der Selbstabnahme für die Kundin oder den Kunden?
Ein einzelner Blutwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche sind orientierende Richtwerte und laborabhängig. Ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung, ein Wert im Normbereich schließt eine solche nicht aus. Die Einordnung gehört immer in den ärztlichen Kontext, besonders bei auffälligen Befunden oder Beschwerden.
Das Apothekenteam kann Ergebnisse verständlich einordnen, Referenzbereiche erklären und den Unterschied zwischen auffällig und behandlungsbedürftig verdeutlichen. Es ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose. Bei auffälligen Werten, unklaren Beschwerden oder Verlaufskontrollen ist der Verweis an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt der richtige Weg. Diese klare Abgrenzung schützt die Kundschaft und die Apotheke gleichermaßen.
Begriffe kurz erklärt
- Kapillarblut
- Blut aus den feinen Gefäßen unter der Haut, das ohne venöse Punktion gewonnen wird.
- Tasso+
- Ein kleines Einweggerät zur nahezu schmerzfreien Gewinnung von Kapillarblut am Oberarm.
- Präanalytik
- Alle Schritte vor der eigentlichen Laboranalyse, von der Probengewinnung bis zum Transport, die die Ergebnisqualität maßgeblich beeinflussen.
- Referenzbereich
- Der als orientierender Richtwert geltende, laborabhängige Wertebereich, in dem die meisten gesunden Menschen liegen.
- ApoVWG
- Das Apotheken-Reformgesetz, seit dem 02.07.2026 in Kraft, das unter anderem die venöse Blutentnahme durch approbierte Apotheker:innen nach Schulung regelt.
Häufige Fragen
Tut die Blutentnahme mit Tasso+ weh?
Die Anwendung gilt als nahezu schmerzfrei. Statt einer Vene wird über eine feine Lanzette Kapillarblut aus den oberflächlichen Gefäßen am Oberarm gewonnen. Viele Menschen empfinden dabei nur einen leichten Druck. Das Verfahren eignet sich daher auch für Personen, die eine klassische venöse Blutabnahme scheuen.
Brauchen Apotheker:innen für die kapillare Selbstabnahme eine Schulung?
Für die kapillare Selbstabnahme ist keine venöse Blutentnahme-Schulung nötig, da die Probengewinnung durch die Kundin oder den Kunden selbst erfolgt. Das gilt unabhängig vom ApoVWG, das die neue venöse Entnahme durch approbierte Apotheker:innen nach ärztlicher Schulung regelt. Eine gute Einweisung des Teams in den Ablauf ist dennoch empfehlenswert.
Welche Blutwerte lassen sich aus Kapillarblut bestimmen?
Aus Kapillarblut lassen sich viele Routineparameter bestimmen, doch nicht jeder Analyt ist gleichermaßen valide messbar. Welche Werte konkret möglich sind, hängt vom Labor, vom Röhrchentyp und vom Parameter ab. Klären Sie das jeweilige Panel immer vorab mit Ihrem Partnerlabor, um verlässliche Ergebnisse sicherzustellen.
Ersetzt die kapillare Selbstabnahme die venöse Blutentnahme?
Nein. Beide Verfahren ergänzen sich. Die kapillare Selbstabnahme ist niedrigschwellig und für viele Routineparameter geeignet, während die venöse Entnahme ein größeres Volumen liefert und nahezu alle Parameter abdeckt. Welcher Weg passt, richtet sich nach dem gewünschten Panel und den Vorgaben des Labors.
Darf eine PTA die Selbstabnahme begleiten?
Bei der kapillaren Selbstabnahme führt die Kundin oder der Kunde die Probengewinnung selbst durch, das Team leitet an. Die neue venöse Blutentnahme nach ApoVWG ist dagegen approbierten Apotheker:innen nach Schulung vorbehalten; PTA sind dafür nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Klären Sie interne Zuständigkeiten sorgfältig ab.
Quellen
Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.
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