Magazin · Diagnostik in der Apotheke
Hygiene bei der Blutentnahme: Was in der Apotheke zu beachten ist
Mit dem ApoVWG rückt die venöse Blutentnahme in der Offizin näher. Wer sie anbietet, braucht ein tragfähiges Hygienekonzept: geeignete Räume, saubere Abläufe, konsequente Händehygiene und eine rechtssichere Entsorgung. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Anforderungen für die Apotheke ein und zeigt, worauf Sie beim Aufbau achten sollten.
Welche Hygieneanforderungen gelten bei der Blutentnahme in der Apotheke?
Die Blutentnahme ist ein invasiver Vorgang und erfordert aseptisches Arbeiten. Zentral sind hygienische Händedesinfektion, Hautantiseptik an der Punktionsstelle, steriles Einwegmaterial und eine getrennte Entsorgung. Orientierung bieten die Empfehlungen der KRINKO am RKI zur Prävention von Infektionen im Zusammenhang mit Injektionen und Punktionen.
Seit dem ApoVWG, in Kraft seit 02.07.2026, ist die venöse Blutentnahme approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach ärztlicher Schulung möglich. Damit gewinnt das Hygienekonzept in der Offizin an Bedeutung, denn dieselben Grundsätze der Infektionsprävention gelten wie in anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die kapillare Messung, etwa über Tasso-Systeme, ist unabhängig davon schon heute möglich und stellt geringere, aber ebenfalls definierte Hygieneanforderungen. Ein tragfähiges Konzept deckt beide Wege ab und legt fest, welches Material, welcher Raum und welche Abläufe zum Einsatz kommen.
Welcher Raum eignet sich für eine Blutentnahme in der Offizin?
Geeignet ist ein separater, sichtgeschützter Bereich, in dem ungestört und ohne Publikumsverkehr gearbeitet werden kann. Wichtig sind leicht zu reinigende, wischdesinfizierbare Oberflächen, ein Handwaschplatz mit Spender für Desinfektionsmittel sowie ausreichend Platz für Patient, Personal und Material.
Die vielerorts vorhandene Beratungskabine lässt sich häufig aufwerten. Achten Sie auf glatte, nicht poröse Flächen für Tisch, Ablage und Liege oder Stuhl, damit eine Wischdesinfektion zwischen den Terminen zuverlässig möglich ist. Getrennte Zonen für sauberes Material und für gebrauchte, kontaminierte Gegenstände verhindern Verwechslungen. Ein klar definierter Ablauf, wer den Raum wann reinigt und dokumentiert, gehört in den Hygieneplan.
Wie funktioniert die Händehygiene bei der Blutentnahme?
Die hygienische Händedesinfektion vor und nach der Entnahme ist der wichtigste Einzelschritt. Einmalhandschuhe ersetzen sie nicht, sondern ergänzen sie. Grundlage ist die WHO-Systematik der fünf Momente der Händehygiene, die auch in deutschen Empfehlungen aufgegriffen wird.
Die fünf Momente umschreiben, wann desinfiziert wird: vor Patientenkontakt, vor aseptischer Tätigkeit, nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, nach Patientenkontakt und nach Kontakt mit der unmittelbaren Umgebung. Handschuhe werden nach jedem Patienten gewechselt. Beachten Sie die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels und sorgen Sie dafür, dass Spender gut erreichbar sind.
Welche Schritte gehören zu einer hygienischen Blutentnahme?
Eine saubere Entnahme folgt einer festen Reihenfolge: Vorbereiten, desinfizieren, punktieren, versorgen, entsorgen. Standardisierte Abläufe verringern Fehler und Infektionsrisiken. Der folgende Ablauf orientiert sich an den KRINKO-Empfehlungen und dient als Grundlage für Ihre eigene, schriftlich fixierte Standardarbeitsanweisung.
- 01Arbeitsfläche und benötigtes steriles Einwegmaterial bereitlegen und auf Unversehrtheit der Verpackungen prüfen.
- 02Hygienische Händedesinfektion durchführen und Einmalhandschuhe anlegen.
- 03Punktionsstelle mit einem zugelassenen Hautantiseptikum desinfizieren und die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit abwarten.
- 04Die desinfizierte Stelle nicht erneut palpieren; mit sterilem Einmalmaterial punktieren.
- 05Kanüle sofort nach Gebrauch, ohne Zurückstecken der Schutzkappe, in den durchstichsicheren Abwurfbehälter geben.
- 06Punktionsstelle steril abdecken, Händedesinfektion wiederholen und Fläche wischdesinfizieren.
- 07Vorgang und Materialchargen gemäß Hygieneplan dokumentieren.
Wie werden Kanülen und blutige Materialien in der Apotheke entsorgt?
Spitze und scharfe Gegenstände wie Kanülen kommen unmittelbar am Arbeitsplatz in durchstichsichere, verschließbare Abwurfbehälter. Ein Zurückstecken der Schutzkappe ist zu vermeiden. Blutkontaminierte Materialien werden nach den geltenden abfallrechtlichen Vorgaben getrennt gesammelt und entsorgt.
Die fachgerechte Trennung und Entsorgung richtet sich in Deutschland nach der Vollzugshilfe der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes. Spitze und scharfe Gegenstände fallen unter die Kategorie, die eine durchstichsichere Sammlung erfordert. Klären Sie die konkrete Zuordnung, Behälterwahl und den Abholrhythmus mit einem zertifizierten Entsorgungspartner und halten Sie das Vorgehen im Hygieneplan fest.
Braucht die Apotheke einen schriftlichen Hygieneplan für die Blutentnahme?
Ja. Ein schriftlicher Hygieneplan beschreibt, was womit, wie oft und durch wen gereinigt, desinfiziert und entsorgt wird. Er schafft Verbindlichkeit im Team und dient als Nachweis. Für die Blutentnahme ergänzen Sie ihn um eine Standardarbeitsanweisung zum konkreten Ablauf.
Der Plan sollte Zuständigkeiten, Mittel und Konzentrationen, Einwirkzeiten sowie Reinigungs- und Desinfektionsintervalle für Flächen und Geräte benennen. Ergänzen Sie Regelungen zur Händehygiene, zum Umgang mit Einwegmaterial und zur Abfallentsorgung. Sinnvoll sind zudem ein Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und eine regelmäßige Unterweisung des Teams. Prüfen Sie den Plan in festen Abständen und passen Sie ihn an neue Empfehlungen an.
Begriffe kurz erklärt
- Hautantiseptik
- Desinfektion der Haut an der Einstichstelle vor der Punktion, um Krankheitserreger zu reduzieren und Infektionen vorzubeugen.
- Hygienische Händedesinfektion
- Einreiben der Hände mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel unter Beachtung der Einwirkzeit, um die Keimzahl vor und nach patientennahen Tätigkeiten zu senken.
- Abwurfbehälter
- Durchstichsicherer, verschließbarer Sammelbehälter für spitze und scharfe Gegenstände wie Kanülen, der unmittelbar am Arbeitsplatz bereitsteht.
- Hygieneplan
- Schriftliches Dokument, das Reinigung, Desinfektion, Zuständigkeiten, Mittel und Intervalle für einen Betrieb verbindlich festlegt.
- KRINKO
- Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut, die evidenzbasierte Empfehlungen zur Infektionsprävention veröffentlicht.
Häufige Fragen
Reichen Einmalhandschuhe bei der Blutentnahme aus?
Nein. Einmalhandschuhe schützen zusätzlich, ersetzen aber die hygienische Händedesinfektion nicht. Die Hände werden vor dem Anlegen und nach dem Ausziehen der Handschuhe desinfiziert. Handschuhe werden nach jedem Patienten gewechselt. Beide Maßnahmen gehören zusammen und sind Bestandteil eines vollständigen Hygienekonzepts in der Apotheke.
Muss die Punktionsstelle vor der Blutentnahme desinfiziert werden?
Ja. Vor jeder Punktion wird die Haut mit einem zugelassenen Hautantiseptikum desinfiziert und die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit abgewartet. Danach sollte die desinfizierte Stelle nicht erneut mit der Hand abgetastet werden, um eine erneute Kontamination zu vermeiden. Dieser Schritt ist zentral für die Infektionsprävention.
Wer darf in der Apotheke venös Blut entnehmen?
Nach dem ApoVWG ist die venöse Blutentnahme approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach einer ärztlichen Schulung vorbehalten. Ein Mustercurriculum von BAK und BÄK soll bis spätestens 02.11.2026 vorliegen. PTA sind nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Die kapillare Messung, etwa mit Tasso-Systemen, ist schon heute möglich.
Wie werden gebrauchte Kanülen sicher entsorgt?
Kanülen kommen unmittelbar nach Gebrauch in einen durchstichsicheren, verschließbaren Abwurfbehälter am Arbeitsplatz. Das Zurückstecken der Schutzkappe wird vermieden, um Nadelstichverletzungen vorzubeugen. Die weitere Entsorgung richtet sich nach der LAGA-Vollzugshilfe und sollte mit einem zertifizierten Entsorgungspartner abgestimmt sein.
Was ist bei einer Nadelstichverletzung zu tun?
Ein festgelegtes Vorgehen gehört in den Hygieneplan: Wunde bluten lassen, gründlich reinigen und desinfizieren sowie den Vorfall dokumentieren. Anschließend ist eine ärztliche Beurteilung erforderlich, um das weitere Vorgehen festzulegen. Ein einzelner Vorfall ist kein Grund zur Panik, verlangt aber ein strukturiertes, geübtes Handeln im Team.
Quellen
Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.
Passend dazu
- Tasso+ Blutentnahme: So funktioniert die kapillare Selbstabnahme in der Apotheke →
- Von der Apotheke ins Labor: Probenlogistik richtig organisieren →
- Das Beratungsgespräch zu Blutwerten: Ein Leitfaden für die Offizin →
Aniva liefert die komplette Diagnostik hinter der Blutentnahme in der Apotheke: Labor, ärztlicher Befund und App-Report. Sie verkaufen, wir liefern.