Magazin · Apotheke als Gesundheitsstandort
Stammkunden gewinnen: Bindung über Gesundheitsleistungen
Rabattaktionen bringen kurzfristig Laufkundschaft, aber selten Bindung. Wiederkehrende Gesundheitsleistungen wie Vorsorge-Checks und pharmazeutische Dienstleistungen schaffen dagegen einen Grund, regelmäßig in dieselbe Apotheke zurückzukehren. Dieser Beitrag ordnet ein, wie das in der Praxis funktioniert und was die Reform dafür an Rahmen bietet.
Warum schafft reine Rabattlogik keine echte Kundenbindung?
Rabatte ziehen preissensible Laufkundschaft an, die beim nächsten günstigeren Angebot woanders kauft. Bindung entsteht, wenn Kundinnen und Kunden einen wiederkehrenden Grund haben, genau in diese Apotheke zurückzukommen, etwa eine persönliche Beratung, einen Check-Termin oder eine Dienstleistung, die Vertrauen und Kontinuität aufbaut statt nur den Preis zu vergleichen.
Welche Gesundheitsleistungen eignen sich, um Frequenz zu erhöhen?
Wiederkehrend nutzbare Angebote wirken am stärksten: pharmazeutische Dienstleistungen mit festem Turnus, Blutdruck- und Vorsorge-Checks sowie ergänzende Blutdiagnostik. Entscheidend ist der Wiederholungscharakter, ein Einzeltermin bindet kaum, ein Angebot mit sinnvollem Kontrollintervall bringt Kundinnen und Kunden mehrfach im Jahr zurück in die Offizin.
- 01Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck als bestehende pDL mit fester Vergütung
- 02Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation als Beratungsanker für chronisch erkrankte Stammkunden
- 03Ergänzende Blutwert-Checks als orientierendes Angebot neben den pDL, verständlich erklärt und ärztlich eingeordnet
- 04Kapillare Blutentnahme (z. B. Tasso) als niedrigschwelliger Einstieg schon vor Abschluss des Mustercurriculums
- 05Saisonale Vorsorge-Aktionen, die auf ein festes Wiederkommen im nächsten Quartal ausgerichtet sind
Was ändert das ApoVWG konkret für Vorsorge- und Diagnostikangebote?
Das ApoVWG ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft. Es erlaubt approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach ärztlicher Schulung künftig auch die venöse Blutentnahme, PTA sind dafür nicht vorgesehen. Kapillare Verfahren wie Tasso sind schon heute ohne diese Schulung möglich und damit ein direkter Einstiegspunkt.
Für die venöse Entnahme muss das Mustercurriculum spätestens vier Monate nach Inkrafttreten vorliegen, eine SOP innerhalb von zwei Monaten, die Vergütung wird innerhalb von vier Monaten verhandelt, eine Schiedsstelle entscheidet notfalls innerhalb von 12 Wochen. Bis diese Fristen greifen, bleibt Kapillarblut der praktikable Weg, um Vorsorge-Check-Angebote schon jetzt aufzubauen.
Wie werden pharmazeutische Dienstleistungen zur planbaren Ertragsquelle?
Von insgesamt zehn pDL haben fünf feste Preise, fünf weitere werden neu verhandelt, acht der zehn sind ohne ärztliche Verordnung erbringbar. Für die Gesamtvergütung steht laut Stand März 2026 ein Topf von rund 537 Millionen Euro zur Verfügung, verteilt über alle Apotheken, die diese Leistungen tatsächlich anbieten und abrechnen.
| aspekt | stand |
|---|---|
| Anzahl pDL gesamt | zehn Leistungen |
| Feste Vergütung | fünf bestehende pDL |
| In Verhandlung | fünf neue pDL |
| Ohne Verordnung erbringbar | acht von zehn |
| Vergütungstopf | rund 537 Mio. Euro, Stand März 2026 |
Wie lässt sich ein Vorsorge-Angebot rechtssicher kommunizieren?
Health-Themen unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz. Kommunizieren Sie Angebote sachlich und ohne Heilversprechen, Einzelwerte sind keine Diagnose, sondern ein orientierender Anhaltspunkt. Referenzbereiche sind laborabhängig und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Wer das transparent macht, gewinnt Vertrauen statt Skepsis und vermeidet wettbewerbsrechtliche Risiken.
Begriffe kurz erklärt
- pDL
- Pharmazeutische Dienstleistung, eine zusätzlich zur Abgabe von Arzneimitteln vergütete Beratungs- oder Versorgungsleistung der Apotheke.
- ApoVWG
- Das Apotheken-Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitsgesetz, das seit 2. Juli 2026 die Rolle der Apotheke unter anderem um neue Blutentnahme-Kompetenzen erweitert.
- Mustercurriculum
- Das bundesweit einheitliche Schulungscurriculum, das approbierte Apothekerinnen und Apotheker für die venöse Blutentnahme durchlaufen müssen.
- Kapillarblut
- Blut aus oberflächlichen Gefäßen, etwa aus der Fingerbeere, das ohne venöse Entnahme gewonnen wird.
- HWG
- Heilmittelwerbegesetz, das die Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen reglementiert und Heilversprechen untersagt.
Häufige Fragen
Reicht ein einmaliger Gesundheits-Check aus, um Stammkunden zu gewinnen?
Ein einzelner Termin schafft selten Bindung. Wirksam wird ein Angebot erst, wenn es einen sinnvollen Wiederholungsrhythmus hat, etwa eine halbjährliche Kontrolle. Dieser Turnus gibt Kundinnen und Kunden einen konkreten Anlass, wiederzukommen, statt einmalig ein Produkt zu kaufen und danach zu vergleichen.
Darf jede Apotheke schon heute venöses Blut abnehmen?
Nein. Das ApoVWG sieht die venöse Blutentnahme durch approbierte Apothekerinnen und Apotheker nach ärztlicher Schulung vor, das zugehörige Mustercurriculum muss aber erst spätestens vier Monate nach Inkrafttreten vorliegen. PTA sind für diese Tätigkeit nicht vorgesehen. Kapillare Verfahren sind bereits jetzt ohne diese Schulung möglich.
Welche pDL eignet sich am ehesten als Einstieg in Vorsorge-Angebote?
Die standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck ist eine bestehende pDL mit fester Vergütung und eignet sich als niedrigschwelliger Einstieg. Sie lässt sich um ergänzende Blutwert-Informationen erweitern und schafft so einen ersten regelmäßigen Kontaktpunkt, ohne dass neue Prozesse komplett neu aufgebaut werden müssen.
Ist Aniva selbst ein Anbieter von Blutabnahmen oder Impfungen?
Aniva stellt Diagnostik-Infrastruktur für Apotheken bereit, etwa Anbindung an Laborlogistik und verständliche Aufbereitung von Werten. Aniva ist kein Impfanbieter und führt selbst keine Blutentnahmen durch, das bleibt Aufgabe des geschulten Apothekenpersonals vor Ort.
Wie unterscheidet sich Kundenbindung über Vorsorge von klassischen Bonusprogrammen?
Bonusprogramme belohnen Kaufhäufigkeit nachträglich mit Rabatt, sie ändern aber nicht, warum jemand vorbeikommt. Vorsorge- und Check-Angebote schaffen einen eigenständigen Anlass zum Besuch, verbunden mit Beratung. Das baut eine persönliche Beziehung auf, die schwerer durch einen günstigeren Preis woanders ersetzt wird.
Quellen
Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.
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