Magazin · Apotheke als Gesundheitsstandort
Fachkräftemangel in der Apotheke: Personal gewinnen und binden
Offene Stellen für PTA und PKA bleiben in vielen Apotheken über Monate unbesetzt, während der Beratungsaufwand am Handverkaufstisch eher zunimmt. Wer Personal gewinnen und halten will, kommt am Thema Arbeitgeberattraktivität nicht vorbei. Neue Aufgabenfelder wie pharmazeutische Dienstleistungen und Diagnostik können dabei helfen, den Beruf sichtbar aufzuwerten, ersetzen aber keine solide Personalpolitik mit fairer Vergütung und klarer Führung.
Warum ist der Fachkräftemangel in der Apotheke so ausgeprägt?
Der Beruf PTA gilt vielerorts als wenig sichtbar und im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen als schlecht bezahlt, während Ausbildungszahlen seit Jahren nicht mit dem Bedarf mithalten. Gleichzeitig verlassen erfahrene Kräfte den Beruf, wenn Aufstiegschancen, Wertschätzung und Abwechslung im Arbeitsalltag über längere Zeit fehlen.
Welche Aufgaben machen die Arbeit in der Apotheke attraktiver?
Aufgaben mit direktem Gesundheitsbezug und sichtbarem Ergebnis wirken sinnstiftender als reine Warenausgabe am Handverkaufstisch. Dazu zählen strukturierte Beratungsgespräche im Rahmen pharmazeutischer Dienstleistungen, Blutdruckmessungen, Impfungen und künftig auch Blutentnahmen. Sie geben dem Team spürbar mehr fachliche Verantwortung und Kundenkontakt auf Augenhöhe.
Wichtig ist die Abgrenzung: Aniva liefert die diagnostische Infrastruktur im Hintergrund für Probenlogistik und Laborauswertung, tritt aber nicht als Impfanbieter auf. Die Durchführung von Beratung, Blutentnahme und Impfung bleibt Aufgabe der Apotheke und des dort fachlich verantwortlichen Personals vor Ort. Ein einzelner Blutwert ist dabei keine Diagnose, sondern ein Baustein, den approbiertes Fachpersonal einordnen muss.
Welche Rolle spielt Weiterbildung bei der Personalbindung?
Weiterbildung signalisiert Investition in die einzelne Person und schafft Perspektive über die Grundausbildung hinaus. Wer neue Kompetenzen wie strukturierte Beratungsgespräche, Probenentnahme oder Auswertungsgrundlagen erlernt, erlebt den Arbeitsalltag als abwechslungsreicher und anspruchsvoller. Das reduziert erfahrungsgemäß die Wechselbereitschaft, besonders bei jüngeren Teammitgliedern mit Entwicklungswunsch.
- 01Klar definierte Einarbeitungspfade für neue Leistungen statt Learning-by-doing im laufenden Tagesgeschäft
- 02Regelmäßige interne Schulungen zu Beratungsgesprächen und neuen pharmazeutischen Dienstleistungen im Team
- 03Externe Fortbildungen mit Zertifikat als sichtbarer Kompetenznachweis nach außen und innen
- 04Feste Zuständigkeiten für neue Angebote, damit Verantwortung im Team nicht diffus bleibt
- 05Regelmäßiges Feedback zur Weiterentwicklung, damit Ausbildung nicht mit der Prüfung endet
Was ändert sich durch das ApoVWG für die venöse Blutentnahme?
Das Apotheken-Versorgungsstärkungsgesetz ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft. Es sieht vor, dass approbierte Apothekerinnen und Apotheker nach ärztlicher Schulung venöse Blutentnahmen durchführen dürfen. Ein Mustercurriculum dafür muss spätestens vier Monate nach Inkrafttreten vorliegen, PTA sind für diese Tätigkeit bislang nicht vorgesehen.
Kapillare Verfahren wie Tasso sind bereits heute möglich und unabhängig von der Reform nutzbar, etwa als niedrigschwelliger Einstieg für Kundinnen und Kunden mit Nadelangst. Für die Apotheke als Arbeitgeber heißt das: Approbierte erhalten ein neues, anspruchsvolleres Aufgabenfeld, das sich in Stellenprofilen und Personalentwicklung als konkretes Argument nutzen lässt. Weitere Fristen aus dem ApoVWG betreffen SOP-Vorgaben binnen zwei Monaten, die Vergütungsregelung binnen vier Monaten und eine Schiedsstelle mit zwölf Wochen Frist, sollte keine Einigung erzielt werden.
Wie wirken sich pharmazeutische Dienstleistungen auf den Personalbedarf aus?
Es gibt insgesamt zehn pharmazeutische Dienstleistungen, fünf davon bestehend mit festen Preisen, fünf weitere neu und derzeit in Verhandlung. Acht davon sind ohne ärztliche Verordnung möglich. Für die Umsetzung braucht es geschultes Personal mit Zeit für Beratungsgespräche, was Personalplanung und Teamstruktur direkt betrifft.
| aspekt | stand |
|---|---|
| Vergütungstopf | rund 537 Mio Euro, Stand März 2026 |
| Anzahl pDL gesamt | zehn, davon fünf bestehend mit festen Preisen |
| Ohne Verordnung möglich | acht der zehn Leistungen |
| Frist Mustercurriculum | vier Monate nach Inkrafttreten |
Wie lässt sich neues Personal für die Apotheke konkret gewinnen?
Stellenanzeigen, die konkrete neue Aufgabenfelder wie Diagnostik-Beratung oder die Durchführung pharmazeutischer Dienstleistungen benennen, heben sich von generischen Ausschreibungen deutlich ab. Kombiniert mit klaren Einarbeitungsplänen, transparenter Vergütungsstruktur und planbaren Arbeitszeiten wird die Apotheke als Arbeitgeber greifbarer, moderner und für Bewerbende insgesamt attraktiver.
Begriffe kurz erklärt
- ApoVWG
- Das Apotheken-Versorgungsstärkungsgesetz, seit 2. Juli 2026 in Kraft, das unter anderem neue Aufgabenfelder wie die venöse Blutentnahme für Apotheker regelt.
- pDL
- Pharmazeutische Dienstleistungen, zusätzliche vergütete Beratungs- und Versorgungsangebote der Apotheke neben der reinen Arzneimittelabgabe.
- Mustercurriculum
- Die standardisierte Vorgabe für die ärztliche Schulung, die Apothekerinnen und Apotheker vor der venösen Blutentnahme durchlaufen müssen.
- Kapillare Blutentnahme
- Blutentnahme aus der Fingerbeere oder mittels Gerät wie Tasso, im Gegensatz zur venösen Entnahme schon heute ohne Sonderregelung möglich.
- PKA
- Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, zuständig für Warenwirtschaft, Verkauf und organisatorische Aufgaben in der Apotheke.
Häufige Fragen
Dürfen PTA künftig Blutabnahmen durchführen?
Nach aktuellem Stand des ApoVWG ist die venöse Blutentnahme approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach ärztlicher Schulung vorbehalten. Für PTA ist diese Tätigkeit im Gesetz bislang nicht vorgesehen. Kapillare Verfahren wie Tasso bleiben davon unberührt und sind schon heute für geschultes Personal nutzbar.
Ab wann gilt das Mustercurriculum für die Blutentnahme?
Das ApoVWG ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft. Das Mustercurriculum für die ärztliche Schulung zur venösen Blutentnahme muss laut Gesetz spätestens vier Monate nach Inkrafttreten vorliegen, also bis spätestens zum 2. November 2026, damit Apotheken die Schulung anschließend planen können.
Helfen neue Leistungen wirklich gegen den Fachkräftemangel?
Neue Leistungen allein lösen den Fachkräftemangel nicht, können aber ein Baustein einer breiteren Personalstrategie sein. Sie schaffen sichtbare, sinnstiftende Aufgaben und regelmäßige Weiterbildungsanlässe für das gesamte Team. Entscheidend bleiben daneben Gehalt, planbare Arbeitszeiten und Führungskultur als klassische Bindungsfaktoren im Apothekenalltag.
Wie hoch ist der Vergütungstopf für pharmazeutische Dienstleistungen?
Der Topf für pharmazeutische Dienstleistungen liegt bei rund 537 Millionen Euro, Stand März 2026. Er verteilt sich auf zehn Leistungen, davon fünf bestehende mit festen Preisen und fünf neue, die sich zum Erhebungszeitpunkt noch in Verhandlung befanden. Acht der zehn Leistungen sind ohne ärztliche Verordnung möglich.
Ist Aniva ein Anbieter für Impfungen in der Apotheke?
Nein. Aniva stellt die diagnostische Infrastruktur für Bluttests und deren Auswertung im Hintergrund bereit, tritt aber ausdrücklich nicht als Impfanbieter auf. Impfungen und weitere ärztliche Leistungen bleiben eigenständige Aufgabenbereiche, die von der Apotheke beziehungsweise von ärztlichem Personal eigenverantwortlich durchgeführt werden. Auch ein Blutwert aus einer solchen Auswertung ist keine Diagnose und ersetzt kein ärztliches Gespräch.
Quellen
Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.
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