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Magazin · Apotheke als Gesundheitsstandort

Den Diagnostik-Bereich in der Apotheke einrichten

Zuletzt aktualisiert: 05.07.2026

Immer mehr Apotheken bieten Beratung, Vorsorgemessungen und pharmazeutische Dienstleistungen an, für die ein eigener Raum sinnvoll ist. Was ein solcher Bereich konkret braucht, hängt von Platz, Angebot und rechtlichem Rahmen ab.

Warum brauchen Apotheken überhaupt einen eigenen Beratungs- oder Diagnostik-Raum?

Ein separater Raum schafft Diskretion für sensible Gespräche und Messungen, erfüllt hygienische Mindestanforderungen und signalisiert Kundinnen und Kunden, dass Vorsorge- und Beratungsleistungen ernst genommen werden. Er trennt diese Angebote räumlich vom Handverkauf im Publikumsverkehr.

Gesundheitsleistungen wie Blutdruckmessung, pharmazeutische Dienstleistungen oder künftig auch Blutentnahmen laufen anders ab als der klassische Handverkauf im Offizin. Wer sensible Werte bespricht oder eine körperliche Maßnahme durchführt, braucht einen Raum, der Blickschutz und ungestörte Gespräche ermöglicht. Das ist auch berufsrechtlich naheliegend: Die Apothekenbetriebsordnung verlangt für bestimmte Tätigkeiten ohnehin einen dafür geeigneten Bereich.

Welche Mindestausstattung braucht ein Beratungsraum in der Apotheke?

Grundausstattung sind ein abschließbarer, blickgeschützter Raum mit Tisch, zwei Stühlen, Händedesinfektion, Handwaschbecken in der Nähe, ausreichender Beleuchtung und einer Liege oder Untersuchungsliege, sobald Blutentnahmen dazukommen.

bereichanforderung
DiskretionAbschließbare Tür, Sichtschutz, kein Einblick von außen
HygieneHändedesinfektion, Handwaschbecken, abwischbare Oberflächen
BlutentnahmeLiege oder Armlehnstuhl, Abwurfbehälter, Probenlagerung
DokumentationPC oder Tablet, sichere Ablage für Patientendaten
NotfallErste-Hilfe-Material, Möglichkeit zum Hinlegen bei Kreislaufreaktion

Für reine Beratungsgespräche und Blutdruckmessungen reicht oft ein kleiner, ruhiger Raum ohne aufwendige Medizintechnik. Sobald venöse oder kapillare Blutentnahmen angeboten werden, kommen weitere Anforderungen hinzu: eine Liege oder ein Stuhl mit Armlehne für die Entnahme, ausreichend Ablagefläche für sterile Materialien, ein Abwurfbehälter für spitze und scharfe Gegenstände sowie eine Möglichkeit zur Zwischenlagerung von Proben bis zur Abholung durch das Labor.

Wer darf in der Apotheke künftig Blutentnahmen durchführen?

Nach dem ApoVWG dürfen approbierte Apothekerinnen und Apotheker nach ärztlicher Schulung venöse Blutentnahmen vornehmen. Das Mustercurriculum dafür erarbeiten Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer bis spätestens 02.11.2026. PTA sind dafür nach aktuellem Stand nicht vorgesehen.

Kapillare Messungen, etwa über Systeme wie Tasso+, sind bereits heute im Rahmen etablierter Angebote möglich und benötigen keine gesonderte Erlaubnis nach dem neuen Gesetz. Für die venöse Entnahme gilt: Das ApoVWG (Apotheken-Reformgesetz) ist seit dem 02.07.2026 in Kraft, verkündet am 01.07.2026 im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 195. Bis das Mustercurriculum vorliegt und die Schulung durchlaufen ist, bleibt kapillare Diagnostik der praktikable Einstieg für die Raumplanung.

Wie plant man den Raum, wenn erst kapillare, später auch venöse Entnahmen dazukommen sollen?

Am praktikabelsten ist eine Ausstattung, die von Anfang an beide Szenarien mitdenkt: ein Stuhl mit Armlehne statt nur ein Besprechungstisch, ausreichend Steckdosen für Geräte, und eine Fläche, die sich leicht zur vollwertigen Entnahmestation erweitern lässt.

  1. 01Raumgröße und Lage im Grundriss festlegen, mit Blickschutz zum Offizin
  2. 02Grundausstattung für Beratung und kapillare Messung anschaffen
  3. 03Hygieneplan und Entsorgungskonzept für Verbrauchsmaterial festlegen
  4. 04Prozesse für Probenlagerung und Laborabholung mit dem Partnerlabor abstimmen
  5. 05Raum so gestalten, dass eine spätere Erweiterung für venöse Entnahmen ohne Umbau möglich ist
  6. 06Team-Schulung planen, sobald das Mustercurriculum verfügbar ist

So vermeiden Apotheken einen zweiten Umbau, sobald das Mustercurriculum für die venöse Blutentnahme vorliegt und Personal geschult ist. Wichtig ist auch, den Raum modular zu denken: Kapillare Messungen benötigen wenig Platz, eine spätere venöse Entnahme braucht mehr Bewegungsfreiheit für Praktiker und Kunde sowie einen Rückzugsort bei Kreislaufreaktionen.

Wie hängt der Diagnostik-Raum mit pharmazeutischen Dienstleistungen zusammen?

Mehrere pharmazeutische Dienstleistungen, etwa die standardisierte Risikoerfassung zu Bluthochdruck, setzen ohnehin einen ruhigen, diskreten Ort für Messung und Gespräch voraus. Ein fest eingerichteter Raum macht diese Leistungen reibungsloser abrechenbar und wiederholbar.

Von den insgesamt zehn pharmazeutischen Dienstleistungen sind fünf bereits etabliert mit festen Preisen, fünf weitere befinden sich in Verhandlung; acht der zehn kommen ohne ärztliche Verordnung aus. Der Topf für pDL umfasst rund 537 Millionen Euro (Stand März 2026). Ein gut eingerichteter Raum ist damit keine Investition in ein einzelnes Angebot, sondern Infrastruktur für mehrere aktuelle und künftige Leistungen. Wichtig für die Einordnung: Ein einzelner Messwert, etwa bei der Risikoerfassung zu Bluthochdruck, ist keine Diagnose. Auffällige Werte sind ein Anlass, ärztlichen Rat einzuholen, kein Ersatz dafür.

Begriffe kurz erklärt

ApoVWG
Das Apotheken-Reformgesetz, seit 02.07.2026 in Kraft, das unter anderem die venöse Blutentnahme durch geschulte Apothekerinnen und Apotheker regelt.
Pharmazeutische Dienstleistung (pDL)
Eine zusätzliche, gesondert vergütete Beratungs- oder Versorgungsleistung der Apotheke außerhalb der reinen Arzneimittelabgabe.
Kapillare Blutentnahme
Eine Blutentnahme aus kleinen Hautgefäßen, etwa an der Fingerbeere, die weniger invasiv ist als eine venöse Entnahme.
Präanalytik
Alle Schritte von der Probenentnahme bis zur Analyse im Labor, etwa Lagerung und Transport, die die Ergebnisqualität beeinflussen können.
Mustercurriculum
Ein von den Kammern gemeinsam erarbeiteter, bundesweit einheitlicher Schulungsrahmen, hier für die venöse Blutentnahme durch Apothekerinnen und Apotheker.

Häufige Fragen

Braucht jede Apotheke zwingend einen eigenen Diagnostik-Raum?

Nicht zwingend für jede Leistung, aber sensible Gespräche, Blutdruckmessungen und Blutentnahmen benötigen einen abschließbaren, blickgeschützten Bereich. Wer regelmäßig solche Angebote macht, kommt um einen festen Raum kaum herum.

Können PTA in der Apotheke Blutentnahmen durchführen?

Nach aktuellem Stand des ApoVWG ist die venöse Blutentnahme approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach ärztlicher Schulung vorbehalten, PTA sind dafür nicht vorgesehen. Kapillare Messungen im Rahmen etablierter Angebote sind bereits heute möglich.

Ab wann dürfen Apotheken venöse Blutentnahmen anbieten?

Das ApoVWG ist seit 02.07.2026 in Kraft. Das Mustercurriculum von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer für die Schulung folgt spätestens bis 02.11.2026, danach können entsprechend geschulte Apothekerinnen und Apotheker die Leistung anbieten.

Was kostet die Einrichtung eines einfachen Beratungsraums?

Das lässt sich pauschal nicht seriös beziffern, da es stark von Raumgröße, vorhandener Ausstattung und gewünschtem Leistungsumfang abhängt. Sinnvoll ist eine Kostenaufstellung mit dem eigenen Einrichter oder Großhandelspartner vor der Umsetzung.

Wie stellt man sicher, dass Blutproben korrekt gelagert und abgeholt werden?

Das Vorgehen wird am besten direkt mit dem Partnerlabor abgestimmt, das Vorgaben zu Lagerung, Temperatur und Abholzeiten macht. Präanalytische Fehler bei Lagerung oder Transport können die Ergebnisqualität beeinträchtigen.

Stand: 05.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.

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