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Dürfen PTA Blut abnehmen? Was das ApoVWG erlaubt
Mit dem Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG) dürfen Apotheken venöse Blutentnahmen anbieten. Für viele Teams stellt sich die Frage, wer diese Aufgabe konkret übernehmen darf. Dieser Beitrag ordnet den aktuellen Rechtsstand sachlich ein.
Update · 09.07.2026
Stand 09.07.2026: Am Grundsatz hat sich nichts geändert. Die venöse Blutentnahme bleibt approbierten Apothekerinnen und Apothekern nach ärztlicher Schulung vorbehalten; PTA sind nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Ob das noch ausstehende Mustercurriculum hierzu Konkretisierungen enthält, beobachten wir und ergänzen es hier.
Dürfen PTA in der Apotheke Blut abnehmen?
Nach dem aktuellen Stand des ApoVWG ist die venöse Blutentnahme approbierten Apotheker:innen nach einer ärztlichen Schulung vorbehalten. PTA sind für die venöse Entnahme nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen. Die kapillare Messung im Rahmen etablierter Angebote bleibt davon unberührt und ist weiterhin möglich.
Das ApoVWG (Apotheken-Reformgesetz) ist seit dem 02.07.2026 in Kraft (verkündet am 01.07.2026, Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 195). Es eröffnet Apotheken die Möglichkeit, venöse Blutentnahmen anzubieten. Die Berechtigung dazu knüpft das Gesetz an die Approbation und an eine vorgeschriebene ärztliche Schulung. Für PTA sieht der aktuelle Stand keine eigenständige Berechtigung zur venösen Entnahme vor.
Wer darf in der Apotheke venös Blut entnehmen?
Die venöse Blutentnahme dürfen approbierte Apotheker:innen durchführen, nachdem sie eine ärztliche Schulung absolviert haben. Grundlage dieser Schulung wird ein Mustercurriculum sein, das die Bundesapothekerkammer gemeinsam mit der Bundesärztekammer erarbeitet. Es soll spätestens bis zum 02.11.2026 vorliegen und die inhaltlichen Anforderungen festlegen.
Das Mustercurriculum legt die inhaltlichen Anforderungen an die Schulung fest. Bis es veröffentlicht ist, steht die konkrete Ausgestaltung der Qualifikation noch nicht abschließend fest. Apotheken, die venöse Entnahmen anbieten möchten, sollten den offiziellen Veröffentlichungen der Kammern folgen und die Qualifikation der jeweiligen approbierten Person dokumentieren.
Was dürfen PTA im Rahmen der Blutdiagnostik übernehmen?
Auch wenn PTA die venöse Entnahme nach aktuellem Stand nicht durchführen dürfen, können sie viele Aufgaben rund um ein Diagnostikangebot übernehmen. Dazu zählen Terminorganisation, Kundenansprache, Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Aufklärung zum Ablauf und die Unterstützung bei der Probenlogistik. So bleibt das Team eng eingebunden.
| aufgabe | wer | hinweis |
|---|---|---|
| Venöse Blutentnahme | Approbierte:r Apotheker:in nach Schulung | PTA nach aktuellem Stand nicht vorgesehen |
| Kapillare Messung (z. B. Tasso+) | Im Rahmen etablierter Angebote | Keine venöse Schulung nötig |
| Terminvergabe und Kundenansprache | Gesamtes Team | Organisatorische Aufgabe |
| Vorbereitung und Probenlogistik | Team, je nach Zuweisung | Präanalytik sorgfältig beachten |
Die konkrete Aufgabenverteilung sollte immer mit der aktuellen berufsrechtlichen Lage und den Vorgaben der zuständigen Kammer abgeglichen werden. Die folgende Übersicht ordnet typische Tätigkeiten dem jeweiligen Verantwortungsbereich zu. Sie ersetzt keine rechtliche Beratung und bildet den derzeitigen Kenntnisstand ab.
Ist die kapillare Blutentnahme für PTA möglich?
Die kapillare Messung, etwa mit einem System wie Tasso+, ist bereits heute im Rahmen etablierter Angebote möglich und erfordert keine venöse Schulung. Sie unterscheidet sich von der venösen Entnahme, die das ApoVWG neu regelt. Die konkrete Umsetzung sollte mit den Vorgaben der Kammer abgestimmt werden.
Kapillare Verfahren gewinnen nur kleine Blutmengen aus der Fingerbeere oder über ein Aufsatzsystem am Oberarm. Sie sind niedrigschwelliger als eine venöse Entnahme, decken aber nicht jedes Analysespektrum ab. Welche Analysen kapillar zuverlässig möglich sind, hängt vom Verfahren, vom Marker und von den Vorgaben des jeweiligen Labors ab.
Was sollten Apotheken jetzt organisatorisch vorbereiten?
Apotheken, die künftig venöse Blutentnahmen anbieten wollen, sollten frühzeitig planen, wer die Approbation und die Schulung mitbringt, und die weiteren Fristen des ApoVWG im Blick behalten. Bis zum Mustercurriculum lassen sich Räume, Abläufe und die Rollenverteilung im Team bereits vorbereiten.
- 01Festlegen, welche approbierte Person im Team die venöse Entnahme künftig übernimmt.
- 02Veröffentlichung des Mustercurriculums (spätestens bis 02.11.2026) verfolgen und die Schulung einplanen.
- 03Die zweimonatige Frist für Standardarbeitsanweisungen (SOP) ab Inkrafttreten beachten und interne Abläufe dokumentieren.
- 04Räumlichkeiten, Hygienekonzept und Probenlogistik mit einem Labor abstimmen.
- 05PTA und PKA in die organisatorischen Aufgaben rund um das Angebot einbinden.
Mehrere Fristen laufen ab dem Inkrafttreten am 02.07.2026. Die folgenden Schritte helfen bei einer strukturierten Vorbereitung, ohne regulatorische Vorgaben vorwegzunehmen.
Wo bleibt die ärztliche Einordnung von Blutwerten?
Ein einzelner Blutwert ist keine Diagnose. Referenzbereiche sind orientierende Richtwerte und laborabhängig. Auffällige oder unklare Ergebnisse gehören immer in den ärztlichen Kontext. Die Apotheke kann Messungen anbieten und über den Ablauf aufklären, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Therapie.
Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, wer die Probe gewinnt. Die Aufgabe der Apotheke im Rahmen der Blutdiagnostik liegt in der sachlichen Information und der Weiterleitung der Probe an ein akkreditiertes Labor. Für die medizinische Bewertung eines Befundes ist die ärztliche Praxis zuständig.
Begriffe kurz erklärt
- ApoVWG
- Das Apotheken-Reformgesetz, seit dem 02.07.2026 in Kraft, das unter anderem die venöse Blutentnahme in Apotheken ermöglicht.
- Approbation
- Die staatliche Berechtigung zur Ausübung des Apothekerberufs, an die das ApoVWG die venöse Blutentnahme knüpft.
- PTA
- Pharmazeutisch-technische Assistent:innen, die in der Apotheke mitarbeiten, nach aktuellem Stand aber nicht venös Blut entnehmen dürfen.
- Mustercurriculum
- Das von Bundesapothekerkammer und Bundesärztekammer zu erstellende Schulungscurriculum für die venöse Blutentnahme, spätestens bis 02.11.2026 vorzulegen.
- Kapillare Messung
- Gewinnung kleiner Blutmengen ohne venöse Punktion, etwa mit einem System wie Tasso+, im Rahmen etablierter Angebote schon heute möglich.
Häufige Fragen
Dürfen PTA nach dem ApoVWG venös Blut abnehmen?
Nach aktuellem Stand nicht. Das ApoVWG erlaubt die venöse Blutentnahme approbierten Apotheker:innen nach einer ärztlichen Schulung. Für PTA ist die venöse Entnahme derzeit nicht vorgesehen. Der endgültige Rahmen ergibt sich unter anderem aus dem noch zu veröffentlichenden Mustercurriculum der Kammern.
Seit wann gilt das ApoVWG?
Das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG) ist seit dem 02.07.2026 in Kraft. Es wurde am 01.07.2026 verkündet und im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 195 veröffentlicht. Mehrere Umsetzungsfristen für Apotheken laufen ab dem Datum des Inkrafttretens, etwa für die Standardarbeitsanweisungen und das Mustercurriculum zur Blutentnahme.
Brauchen Apotheker:innen für die venöse Blutentnahme eine Schulung?
Ja. Das ApoVWG knüpft die venöse Blutentnahme an eine ärztliche Schulung. Grundlage wird ein Mustercurriculum sein, das die Bundesapothekerkammer gemeinsam mit der Bundesärztekammer erstellt und spätestens bis zum 02.11.2026 vorlegen soll. Bis dahin steht die konkrete Ausgestaltung noch nicht abschließend fest.
Ist die kapillare Blutmessung von der Reform betroffen?
Die kapillare Messung ist bereits heute im Rahmen etablierter Angebote möglich und benötigt keine venöse Schulung. Das ApoVWG regelt neu vor allem die venöse Blutentnahme. Welche Analysen kapillar sinnvoll und zuverlässig sind, hängt vom Verfahren, vom Marker und den Vorgaben des jeweiligen Labors ab.
Können PTA Kundinnen und Kunden beim Blutentnahme-Angebot unterstützen?
Ja. PTA können organisatorische Aufgaben übernehmen, etwa Terminvergabe, Kundenansprache, Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Aufklärung zum Ablauf und Unterstützung bei der Probenlogistik. Die venöse Entnahme selbst bleibt nach aktuellem Stand approbierten Apotheker:innen vorbehalten. Die Aufgabenverteilung sollte mit den Vorgaben der Kammer abgeglichen werden.
Quellen
Stand: 09.07.2026. Redaktion Aniva Health, ohne Gewähr. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ein einzelner Blutwert ist immer im ärztlichen Kontext zu bewerten.
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